Zeit 1

von Franz Stowasser am 20. April 2012

Hierarchie und der Begriff der Zeit.

Eine Aufzählung der Variationen von Hierarchien und der Variationen in hierarchischen Prozessen wurde im Rahmen der Soziologie bereits geleistet (vgl. Urs Jaeggi https://www.helveticarchives.ch/detail.aspx?ID=165078 ). Mir kommt es darauf an, die Ermöglichung hierarchischer Prozesse näher zu erörtern. Die erste These: Hierarchie basiert auf Illusion. Körperliche Übermacht allein begründet noch keine Hierarchie. Zum Aufbau und zur Erhaltung eines hierarchischen Prozesse braucht es mehr als nur mehr Kraft. Es braucht eine Illusion, die hierarchische Prozesse verallgemeinert und generalisiert erscheinen lässt, nicht nur kurz und situationsgebunden.
Die Möglichkeit zur Verallgemeinerung wird durch den Begriff der Zeit gegeben. Zeit hat für die sprachliche Illusion etwa den Stellenwert des Geldes in der Warenwirtschaft. Die Marxsche Analyse des Geldes als quantifizierender Austauschgarant nutzt den Begriff der Zeit implizit. Denn ein Garant muss über Vergangenheit und Gegenwart in die Zukunft wirken. Geldmärkte agieren mit Vertrauen und Hoffnung, sie rechnen phantasierte historische, gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen gegeneinander und ineinander auf. Phantasiert deshalb, weil auf zu knapper Datenbasis geurteilt wird. Eine vollständige Datenbasis kann den Wirtschaftsakteuren nicht zugänglich werden, denn diese würde die momentanen, gegenwärtigen Handlungen der Akteure ausschließen. Damit bleiben wirtschaftliche und staatliche Garantien illusorisch und werden nur wirkmächtig, wenn sie durch ein verallgemeinertes Prinzip gestützt werden können. Diesem Prinzip begegnen wir im Konstrukt ZEIT. Die Zeit steht uns als Verallgemeinerung aller kontextgebundener Prozesse zur Verfügung. Unterschiedliche Zeiten lassen noch zeittypische Kontextbindungen aufscheinen, in der direkten Beobachtung interaktiver Prozesse wird der Zeitbegriff völlig überflüssig und nur als Messgröße für Ortsveränderungen und deren Geschwindigkeit gebraucht.
Ernst von Glasersfeld ( http://www.youtube.com/watch?v=35XMxfS6n0Q ) beschrieb den Zeitbegriff als einen sprachlichen Ausweg zur Erklärung, wie Bewegungsreize und statische Reize des Nervensystems gemeinsam verarbeitet werden. An dieser Stelle gilt Zeit nur als Name für unterschiedliche Vergleichsgrößen. Er wird dort zu einer Verallgemeinerung, wo Kontexte nicht mehr repräsentiert werden.

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