Wertes Lesen

von Franz Stowasser am 20. November 2008

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Entdeckt man Schriftsteller nicht wie Investment
Broker immer gerade dann wieder, wenn sie am meisten
Schaden anrichten können? Nun wollte ich gerade begehrlich
und normal werden, eine akademische Karriere doch noch
ins Auge fassen, da bemerke ich wieder Kapielski, der das
schon alles gemacht hat und sich nun in grenzenloser Freiheit
Höhenflüge gestattet.

Kapielski heißt er – und neben ihm sehen die Kritiker aus wie
Trantüten. Für mich der Beweis, dass sich Qualität durchsetzt,
also will ich ab heute nur noch an Qualität arbeiten.
Die Versuche, durch Tricks und Marktschläue etwas zu
erreichen sind ab jetzt passé. Danke. Nur, wie viel ist an
Kapielski auch Hineinturnen ins Land der skurilen Gedanken
und Sätze? Hat er sich unfreiwilligerweise freiwillig dazu
verpflichtet, täglich so zu denken, wie er schreibt?

Wenn ja, was macht dass schon, denn mein Denken ist
sicherlich auch das Ergebnis einer Verpflichtung – laß’ uns tauschen Kapielski!
Eine andere Art des Tausches, Du kannst Dein’s
behalten und ich bekomme Dein’s dazu. Angstfrei,
völlig losgelöst gibt er sich im Spiel mit den Kultur-
und Kommerzmächtigen. Ein Empfindungsjunkie,
einer, der die Welten hinter einem Wort nicht nur
staunend betrachtet, sondern auch noch beschreibt.
Für mich erschütternd. So leicht, wie dieser
Till Brönner Trompete spielt, so schreibt Kapielski.
Das hat viel vom faszinierend tonal coolen
Miles Davis und auch etwas vom „ich renn dir gleich
davon“ Charly Parker, vielleicht auch etwas von den neuen
Drum und Bass Polyrhythmen, und noch mehr;
Kapielski widerlegt Aristoteles mit jedem Satz:
Das Dritte kann nicht ausgeschlossen werden.
Kapielski der Dritte, ein hinter der Ambivalenz
lauerndes Grinsen, wundervoll.

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