Wasser

von Franz Stowasser am 20. Februar 2009

Venedig vibriert zu dieser Jahreszeit eigenartig. Das verstärkte den Überraschungseffekt, der eigentlich immer auftritt, wenn ich in dieser Stadt aus einem dunklen Gebäude hinaus in den hellen Tag gehe. Der schmale Gehsteig, das Wasser mit seinem für mich ungewohnten Rhythmus, die Sonne und mein Entschluss, in Gedanken einfach hier zu bleiben,
verwirrten mich etwas. Nicht lange. Arm in Arm die Kanäle entlang schlendernd fingen meine Augen so viele kleine Details des täglichen Lebens ein, dass ich ganz fasziniert häufig stehen bleiben wollte, um eine Szene eine Weile zu beobachten. Das Anlegemanöver eines Vaporeto zum Beispiel. Der Schaffner kämpft sich durch das vollbesetzte
Boot zu den Leinen vor, vertäut das Boot schiebt das Gitter zurück, bringt sich in Sicherheit, um von den Fahrgästen nicht überrannt zu werden. Er tut das mit froher Mine und lustigen Sprüchen, viele Fahrgäste lachen. Lieferanten mit
Lastbooten, Zulieferer für Gaststätten oder Hotels. Ihre Bewegungen scheinen der Bootsgeschwindigkeit angepasst, einige rauchen Zigaretten, stehen aufrecht in den Booten und schauen zufrieden geradeaus. Die Zeit entsteht als ein Produkt der Ortsveränderungen. Ohne Hast und Hetze entsteht Zeit. Ganz Venedig füllt sich mit Zeit für mich.
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Wird auf dem Wasser nicht gebraucht, auf der Straße schon: TireMoni

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