Verschenken

von Franz Stowasser am 25. November 2010

Ich dachte in den letzten Jahren, dass, während ich lebe, gleichzeitig etwas Großes darauf wartet, erlebt zu werden. Ein Prinzip oder eine Energie, die von sich aus nicht tätig wird. Ich aber drehte mich in Kreisen der Rechtfertigung, weshalb es jetzt noch nicht an der Zeit sei, mich diesem Großen anheim zu stellen, mich mit dieser Energie in Kontakt zu bringen. So schaffte ich Abwehrstrategien, die den Kontakt verhinderten und die Verhinderung rechtfertigen sollen. Dieses Große scheint so unendlich ruhig und hat lebendige Kraft, es ist nicht die Ruhe des Todes. Ich könnte es als die lange Weile beschreiben, die Weile, die so lange schon einfach wartet ohne zu wollen, ohne zu fordern.
„Besessenheit vom Schönen und Missgunst, gegenüber denen, die man beschenkt hat.“ Das hatte ich zwischen 16 und 24, als ich nichts zu verschenken hatte. Heute denke ich, je wertvoller, weil selbst erlebt und erarbeitet meine Geschenke werden, desto freier wurde ich von der Wirkung, die sie erzeugen. Was sollte ich denn sonst tun, wenn nicht schenken ohne mich zu kümmern, ob der andere das Geschenk auch in Ehren hält.

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