Unterm Dach

von Franz Stowasser am 15. April 2012

Dass er sich nach in all den Jahren der Arbeit in dieses Dachzimmer verloren hatte und nun manchmal sogar glaubte, hier zu wohnen war wohl Teil seiner Lüge. Oder vielleicht Teil seiner Unwissenheit um sich selbst, seine Bedürfnisse, seiner Wünsche. War etwas nur stimmig genug dargestellt, klang es für ihn zusammenhängend, fing er schon an, es zu glauben und konstruierte daraus sein Sein, mit dem er dann auch einverstanden war. Es gab so viele Möglichkeiten zu wohnen. Angefangen von einem umgebauten Lieferwagen zu einem kleinen Hotelzimmer am Lago Maggiore oder einem Haus auf dem Land, das seine Besitzer nur ein oder zwei Wochen im Jahr besuchten ( genau dann wäre er unterwegs). Er aber hielt an dieser Dachzimmersituation fest, fror und schwitzte gleichzeitig im Luftzug, hörte das Schnarchen von nebenan und schrieb.
Doch ohne Elan, eher als eine Dauerbeschäftigung und auch damit er etwas zu sagen hatte, wenn sie ihn fragten, was er denn so viele Stunden unter dem Dach zu erledigen hätte. Er entledigte sich der Worte, der inneren Worte, die ihm oft erst im Schreiben bewusst wurden. Es waren keine Geschichten, einfach so Dahingesagtes war es, mit dem er sich selbst unterhielt, laut oder leise. Interessant daran, die alten Aufschriebe, von denen er oft dachte, jemand anderes hätte sie verfasst, er sei das nicht gewesen.

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