und dann ein paar Schritte weiter…..

von Franz Stowasser am 30. September 2012

 

Gegen den Giardini war der Gang durch das Arsenale auf der diesjährigen Architektur Biennale eine Wohltat für den Herrn. Die Hoffnungen und Lichtblicke kamen allerdings auch da kaum von Architekten. Diese liefen vor allem mit ihren Tablet-Computern und Handys durch die Ausstellung und fotografierten Modelle, die sie dann wahrscheinlich in Castrop Rauxel oder Darmstadt als neuste Ideen ihrer Büros ausgeben. Nein, die Lichtblicke kamen von Hausbesetzern zum Beispiel in Caracas, die sich ohne behördliche Kontroll-Hilfe mit 750 Familien in einem leerstehenden Posthochhaus organisieren. Häuser, die ihre Gesichter durch die Bewohner wechseln, umgenutzte Räume und neue Möglichkeiten des Zusammenlebens. Auf der Suche nach anderen Meinungen fand er Herr auch diese sehr schöne Architekten Geschichte: „Als die Stadt Bordeaux vor nicht allzu langer Zeit beschloss, einen ihrer Plätze grundzuüberholen, so wie Städte das halt machen, mit neuem Pflaster, ein paar teuren Designerabfallkörben und irgendeiner Kunstskulptur, da war klar, dass die beiden Architekten Anne Lacaton und Jean Philippe Vassal den Auftrag bekommen sollten. Sie reisten auch an, schauten sich in Ruhe um und beschlossen dann, dass hier nichts zu beschließen sei. Sie empfahlen der Stadt, das Honorar doch lieber dafür zu verwenden, den Platz vernünftig zu pflegen. Ansonsten sei doch alles in bester Ordnung, nicht unbedingt schön, aber lebendig: ein Platz, der von den Menschen geliebt werde. Mehr könne sich niemand wünschen, selbst ein Architekt nicht.“ http://www.zeit.de/2012/36/Architektur-Biennale-Venedig-Chipperfield

Der Herr genießt diese Ausstellungstage in Venedig. Die Stadt selbst, die Menschen hier, die jugendliche Frische der gediegenen Serenissima, deren viele Museen im Spiegel des modernen Alltags erst so richtig an Charakter gewinnen.

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