Unbedarft

von Franz Stowasser am 20. November 2012

Ich lese und lese gleichzeitig, was ich durch mein Mitsprechen mitgeschrieben habe.
Nicht im Druck, sondern reflektiert auf meine inneren Brillengläser,
wie auf die Frontscheibe eines Kampfjets.
Ich kann gar nicht nur lesen, auch nicht die ersten Worte eines Buches,
unbedarft, wie ich mir einreden könnte.
Ich müsste es mir einreden.
So beeinflusst mein vermeindlich zukünftiges Lesen
schon vor dem Lesen mein lesen.
Unbedarftes Lesen wird unmöglich,.
Denn schon mit dem Erwerb meiner Fähigkeit zu lesen habe ich dieses Unbedarfte verloren.
Ich spreche über etwas, darüber habe ich schon einmal gesprochen.
Ich spreche in einer etwas anderen Weise, nämlich DARÜBER
und doch braucht es das erste Sprechen.
Doch, wann soll dieses erste Sprechen stattgefunden haben?
Mit meinen ersten, als Sprache erkennbaren, Lauten?
Mit meinen ersten zusammenhängenden Sätzen?

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