Tonband

von Franz Stowasser am 5. Dezember 2012

Der Herr spricht (zu) seinem Tonband und erkennt beim Abspielen den Sprachduktus seiner Mutter. Nicht nur Wortwahl, auch Tonfall, Satzmelodie, Betonung der Silben ähneln sich stark. Plötzlich versteht der Herr das Wort „Kinderprogramm“ neu. Er meint, die Kindheitsprogramme wurden jahrelang gegeben und nicht nur einmal, sie wurden damals ähnlich oft wiederholt wie Kinderprogramme heute im TV. Der Herr glaubt nicht, dass Söhne und Töchter bis heute auch nur eine Idee davon haben, was da suggestiv passierte und passiert. Der Herr meint, das in den Verlagerungen (zu) sehen. So stellt das Pflegen einer Naturphilosphie vielleicht auch die Sehnsucht zurück zu einer phantasierten Natur dar. Denn, was könnte Natur anderes bedeuten, als ein phantasiertes Etwas, eine Zusammenstellung von Träumen über Welten in Abgrenzung zu Industrielandschaften. Kein Mensch hat je „die Natur“ gesehen, sondern nur Gärten, einen Wald, einen Bach, Berge, Täler. Der Begriff Natur wird als Begriff menschlicher Konvention, als soziale Bestimmung zu einem Begriff für soziale Ausgrenzung. Er ermöglicht eine Flucht aus sozialen Mustern. Da helfen die üblichen psychodramatischen Vorstellungen und Aktionen nicht mehr, wie zum Beispiel jene,

– Wut an einem Kissen oder an einem Stück Holz aus(zu)lassen,

– soziale Interaktionsthemen nicht mehr als solche (zu) sehen und auch nicht mehr als solche (zu) verarbeiten, sondern an die Natur delegiert ab(zu)reagieren.

Doch wobei sollten diese Vorstellungen denn helfen? Dabei, eine phantasierte Identität (zu) konstruieren, statt sich eigener sprachlicher Konstruktionen bewusst (zu) werden. Um den sozialen Kanal ganz (zu)(zu)regeln empfiehlt der Herr noch eifriger an der Beherrschung der Natur (zu) arbeiten und keine Sozialsystemik (zu)(zu)lassen. Weil sonst können wir den Laden (zu) machen.

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel: