Thesen

von Franz Stowasser am 20. Mai 2011

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und jetzt:

Franz Stowasser, Mai 2011, Thesen zur nächsten Gesellschaft: “Sprachblindheit”

Parallel zu Dirk Baeckers 15 Thesen der nächsten Gesellschaft.

1. Memristoren, die neu verstandenen Bausteine der Elektronik bestimmen
die unfreiwillige Geschichtskonstruktion der nächsten Gesellschaft.

2. Die Kulturform der nächsten Gesellschaft zeigt sich in der
konsequenten Verneinung des Nicht-Ich und der gezielten Ansprache des
Multi-Ichs. Identitäten werden aus der Vervielfachung der
Eigenvermeindlichkeit gewonnen.

3. Eine Strukturform der nächsten Gesellschaft gibt es nicht, da Struktur
gerade das darstellt auf dessen Kosten sich die nächste Gesellschaft
etabliert.

4. Die Integrationsform der nächsten Gesellschaft wird obsolet, weil
nichts vorhanden sein wird, in das integriert werden könnte. Vielmehr wird
verworfen, was dem Multi-Ich nicht ähnelt. Unähnliches erscheint momentan
als Kunst wieder.

5. Die Politik in der nächsten Gesellschaft erschöpft sich in der Bildung
von Alltagsmetaphorik und narrativer Reglungsillusion (schöne Geschichten
als Kleister für die bunten Tapeten).

6. Die Wirtschaft der nächsten Gesellschaft reduziert sich auf die
Verteilung technisch machbarer Fortschritte und das Schaffen und Erhalten
großer Kapitale.

7. Die Kunst der nächsten Gesellschaft heißt „Überleben“. Dieses Thema
wird in den unterschiedlichen Aspekten an Verworfenem durchgespielt.

8. Die Wissenschaft der nächsten Gesellschaft ist tot, weil die
Dokumentenstruktur durch Performate abgelöst wurde. Originalität kann und
soll nicht mehr gewährleistet werden.

9. Die Religion der nächsten Gesellschaft heißt Datensammlung und Exekutive.

10. Die Organisation der nächsten Gesellschaft ist unbewußt
kenogrammatisch. Die Leerstellen werden allerdings mit selbstreferentiellen
Evaluationsdaten gefüllt.

11. Die Technik der nächsten Gesellschaft erschafft den ungeselligen
Menschen.

12. Die Reflexionsform der nächsten Gesellschaft besteht in ihrer
Formlosigkeit. Reflexion heißt dann nur noch: ständige Wiederholung starker
Reize.

13. Der Begriff des Individuum stirbt mit der nächsten Gesellschaft.
Individualität existiert nur als auf das Selbst bezogene Illusion. Die
Massenmedien stellen stündlich leicht geänderte Illusionen zur Verfügung.

14. Die Moral der nächsten Gesellschaft liegt in der anerkennenden
Evaluation der Medientätigkeit.

15. Die Negationsform der nächsten Gesellschaft ist eine Sprachkrankheit
die sich in psychischen und körperlichen Störungen zeigt. Sie wird in dem
Sinne unberechenbar produktiv, als sie nicht zurückweist sondern Anleihen
unzeitgemäßer Moralfragmente tradiert. Lachen, eine bislang praktizierte
Negationsform wird in Lachseminaren als Körpererregung erlernt.

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