Taugen

von Franz Stowasser am 8. März 2011

“Was taugt dann?” fragte Klarmann und unterschied die Welt in produktiv und rezeptiv. Er wollte produktive Mitarbeiter, ganz gleich wie sie das schafften, sie sollten produzieren, Bestände vermehren und abverkaufen.

Doch, wohin treibe ich mich? Wohin verfolge ich mich und mit welchen Mitteln? Wohin treibt mich mein Seiten füllen? Und weshalb schreibe ich nichts Gescheites, damit ich ein schönes Geld machen kann mit meiner Schreiberei? Diese alten Muttersätze, immer noch in meinem Kopf, der doch längst ein völlig anderer ist, deshalb, nicht immer noch im Kopf, sondern wieder neu reingehämmert. Indem ich an die alten Situationen dachte, sie noch und noch einmal beschrieben hatte, sie wieder und wieder dargelegt, zurechtgelegt, bis ich sie auch in die neue Zellstruktur, die erneuerten Zellen wieder eingeprägt hatte. Weshalb aber prägen? Nur wegen der Imprint These? Was sollen denn die alten Prägestempel, die Charaktere?
„Gibs auf, Guter“ sagte Klarmann, „so kommst du nie drauf“
„Ich habe, was ich gelernt hatte, systematisch zueinander gefügt“ resümiere Klarmann, „habe alle Aspekte einem Erzählstrang zugeordnet, einem Erzählstrang, den ich immer wieder wieder holte. Man kann mich zu jedem Thema sprechen lassen, ich nutze immer meinen gut gewirkten Erzählstrang, der mit jedem Vortrag immer dicker und fester wird. so werde ich mir selbst klar“. Klarmann hielt inne „und gleichzeitig bleibe ich mir selbst treu“. Hatte ich bis jetzt Klarmanns direkte und zielführende Lebensart bewundert, so fühlte ich mich nach diesen Aussagen ebenso stark abgestoßen. Denn, wenn ich richtig gehört hatte, sagte Klarmann doch, das er und nur er mit seinem blöden Erzählstrang existiere und, ungeachtet anderer Themen, Wünsche, Vorstellungen, Ideen, Befindlichkeiten, kaute er auf diesem immer wieder benutzten Erzählstrang herum. Machte vielleicht sogar eine Autographie daraus. Das Geschäft mit Autographien blühte ja zur Zeit. Viele kleine und einige große Agenturen boten erzählfreudigen Menschen an, ihnen bei den eigenen Lebensbeschreibungen zu helfen und diese dann in Kleinauflage zu drucken. Die Kosten für diese Unterstützung waren groß, doch die Eitelkeit der zukünftigen Autoren war noch größer. „Wollen Sie auch ihr eigenes, selbst verfasstes Buch in ihrem Bücherregal stehen haben?“
Angesichts des blauen Meeres und des Abendhimmels, der seine Lichtfarben über das Wasser spiegelt, ermüden die Finger des Herrn schnell. „Tippen Sie doch selbst, was sie für lesenswert halten“ möche er seinen Lesern anempfehlen und Klarmann wird ein Geschäft daraus machen.

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