Wort wechseln 4

Allerdings vergessen wir bei aller Sorge um das Wohlergehen anderer Menschen, die wir sprachlich in ihren Handlungen begleiten, deren Bewegungsformen wir kommentieren, dass wir selbst hören, was wir reden. Mit unserer Sprache suggerieren wir nicht nur Verhaltensänderungen für andere, wir hören uns sprechen, verstehen in den meisten Fällen auch, was wir sagen und reagieren selbst auf unsere Worte. Wir tun das, ob wir wollen oder nicht, suggerieren uns selbst Verhaltensweisen. Sprache als Suggestion, als Verhaltensvorschlag für andere, heißt auch Sprache als Selbstsuggestion. Fortsetzung folgt.

Wo ich sitze

Wo ich sitze können die Vögel fliegen und ihr Futter finden. Wo ich sitze, schläft die Katze, die Pfingstrosen und der rote Mohn blühen. Wo ich sitze kann ich denken, nach- und vordenken und darüber hinaus. Wo ich sitze höre ich den Gesang der Vögel, höre ich meine inneren Worte, die Schritte meiner Freundin auf den Kieselsteinen. Ich sehe die unterschiedlichen Grüntöne und begeistere mich mit der warmen Sommerluft, die mich an die Freibadtage meiner Kindheit erinnert. Ich kann sogar den Chlorgeruch des Neckar Freibads einatmen und …

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Stempeln gehen

Das griechische Wort „Charakter“ bedeutet auch Prägestempel und in diesem Sinn wurde das Wort in den letzten Jahrzehnten psychologisch benutzt. Ein Prägestempel prägt und gewinnt seinen Wert gerade durch seine unveränderte Prägung. Das Postulat des immer Gleichen bildete in den letzten Jahren jedoch einen immer stärker wirkenden Gegensatz zu den vielfältigen Veränderungsprogrammen, auch „Change“ genannt. Damit entstand ein Problem für die persönlichkeitsorientierte Psychologie. Wie kann Veränderung überhaupt gedacht werden, wenn der Charakter und die Persönlichkeit, die Identität und das Selbst zu den unveränderlichen Bestandteilen menschlicher Existenz gehören …

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Ich entfolge mich.

Der Herr wollte sich auf facebook entfolgen. Er wollte nur noch richtige und verlässliche Freunde und Freundinnen haben, keine, die wie er selbst, in den Träumen Gegenteile ihrer täglichen Behauptungen produzierten. Der Herr konnte seinen Behauptungen keinen Glauben schenken, nicht einmal das. Glauben war doch so leicht zu verschenken, wurde auch mehr dadurch. Wer sich selbst nicht glauben kann, findet einen Trost im richtigen Glauben. Der richtige Glaube ist ewig, während das Selbst endet. Nun gut, das Selbst vielleicht nicht, aber des Herren Selbst, eines davon zumindest. …

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