Samstag, Sonntag.

von Franz Stowasser am 24. Juni 2017

Inzwischen war es Samstag, der Herr saß auf der Terrasse und hörte das Motoren-Geheule vom Motodrom her über’s Meer schallen. Fast so, als jagten die Motorräder über das Wasser, direkt hinter dem Kopf des Herrn und er sieht Bilder, passend zum Motorenlärm, junge Männer, die mit gewagten Kurvenlagen ihre Freundinnen beeindrucken möchten, oder die ängstlichen männlichen Partner. Dann, nach wilder Fahrt werden die Motorrad-Piloten in die Arme geschlossen und geherzt. Sie riechen nach Schweiß, Öl und Leder, haben überlebt, alles gegeben, sind über die eigenen Grenzen hinaus gefahren, haben Leib und Leben in den 15 Runden auf dem Motodrom missachtet und sie leben, die Freude und die Erregung ist groß, sie leben. Dieses Erregungspotenial genügt vielleicht für einen Liebesakt heute Nachmittag, den einzigen in dieser Woche, in diesem Monat, denn man kennt sich ja doch schon fast zwei Jahre lang.
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Am Sonntag werden die Söhne anderer Familien auf der nahe gelegenen Go-Cart Bahn für die Eltern eine kleine Schau fahren. Vati und Mutti können mit süffisantem Lächeln und leichtem Kopfnicken den anderen Eltern bekannt machen: „ja, der ganz vorne, das ist unser Claudio, er wird mal ein ganz Großer“. Zauber der Konkurrenz, nur kein Durchschnitt, sondern herausragen, aus jeder beliebigen Menge herausragen, erkennbar werden, das Zeug zur Marke zeigen. Auf dem Nachhauseweg sind die Eltern entweder glücklich mit dem Sieger oder hoffnungsvoll mit dem Zweit- oder Drittplatzierten: „das nächste Mal klappts, dann fegst Du diesen Claudio von der Bahn“. So führt Konkurrenz zu böser Aggression und damit zu nichts Gutem.

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