Nur lesen?

von Franz Stowasser am 15. November 2012

lesen  sprechen
Indem ich lese spreche ich manchmal auch – in mir, mit dem Mund, mit den Augen oder laut. Ich nehme nicht nur Buchstaben, Worte, Sätze, Zwischenräume, Leerstellen und Text auf, sondern sehe Bilder, Szenen, bespreche mein Leben in diesen Bildern, in diesen Erlebnissen. Ich bespreche mich, spreche mit mir, mit und durch das Gelesene. Lesend sprechen, so gebe ich dem Text meinen Sinn.

sprechen’  lesen’
Was ich zu mir während des Lesens spreche, lese ich auch wieder. Durch das Sprechen verändere ich den gelesenen und zu lesenden Text. So hatte ich viele Texte verändert und sie konnten mir bei nochmaligem Lesen entsprechend neu erscheinen. Ich gestalte den gelesenen, den zu lesenden Text durch mein inneres Sprechen, durch die Brille meines inneren Sprechens.
Der lesende Text – ein Teil des Textes scheint sich selbst zu lesen. Ein Teil der bleibt, wie ihn die Verfasserin, der Verfasser in die Schrift gesprochen hat. Denn auch dort war sprechen – lesen – schreiben und dann immer wieder lesen – sprechen.

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