Mentoring, ein Praxisbeispiel

von Franz Stowasser am 20. Mai 2011

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Ihr Mentoring Partner klagt über einen Entscheidungskonflikt und sucht das Gespräch mit Ihnen. Sie können dieses Gespräch in Richtung „unentschiedener Zustand“ und dann „Sicherheit“ führen. In diesem Fall würden Sie vielleicht durch ein Verhandlungs-Reframing (vergleichen Sie das entsprechende Kapitel zu dieser Technik) zusammen mit Ihrem Partner den Konflikt in einen „unentschiedenen Zustand“ wandeln und dann eine Zielbestimmung durchführen.
Sie könnten aber auch den Weg über „Optionen“ wählen und weitere Wahlmöglichkeiten hinzufügen. Dann wird vielleicht für bisher nicht in Betracht gezogene Möglichkeiten entschieden.
Kennzeichen dafür, welches für Ihren Partner die „richtige“ Richtung ist erhalten Sie aus Sprache und Verhalten Ihres Partners. Dabei werden Sie durch Ihre Kenntnisse über das nonverbale Verhalten Ihres Partners unterstützt. Sobald Sie Orientierungsmuster sicher erkennen und nutzen, den Gebrauch von Sinnessystemen in der Sprache wahrnehmen und gestalten, stimmliche Modulationen hören und nutzen, können Sie ihren Mentoring Prozess mit neuen Möglichkeiten gestalten.
Wir kommen zum Training dieser Fähigkeiten, vorher jedoch ein kleiner Ausflug:

Vorstellungen über die Welt
Unsere Vorstellungen, wie die Welt beschaffen sei, wird unsere Theorien und unsere Handlungen beeinflussen und steuern.
Albert Einstein sagte einmal, dass es eigentlich nur eine Frage zu beantworten gäbe, nämlich: Ist das Universum ein freundliches oder ein feindliches Wesen? Entscheide ich mich für das freundliche Wesen, dann werde ich täglich Möglichkeiten finden, das zu beweisen. Ich sehe mich unterstützt und gefördert, achte mehr auf die positiven Entwicklungen meines Lebens. Entscheide ich mich dazu, die Welt als ein feindliches Wesen zu sehen, so werden Ängste, Klagen und Jammern zu meinen hervorragenden Eigenschaften gehören (dazu www.jammern.de ).

Kurzer Ausflug in die Psychologie
Der Psychoanalytiker Fritz Riemann, schildert zum Beispiel vier Grundformen der Angst und beschreibt die damit einhergehenden Abwehrmechanismen. Er beschreibt seine Vorstellung der Welt mit dem Beispiel der planetaren Kräfte:

1. Revolution Lauf der Erde um die Sonne.
Thema: Einordnen in ein größeres Ganzes.
Individuelle Entsprechung: Die Angst vor Selbsthingabe, als Ich-Verlust und Abhängigkeit erlebt.

2. Rotation Eigendrehung der Erde.
Thema: Individuation, Ich und Eigengesetzlichkeit.
Individuelle Entsprechung: Die Angst vor Selbstwerdung, als Ungeborgenheit und Isolierung erlebt.

3. Zentripedalkraft Schwerkraft, nach innen strebend.
Thema: Dauer und Beständigkeit
Individuelle Entsprechung: Die Angst vor der Wandlung, als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt.

4. Zentrifugalkraft Fliehkraft, nach aussen strebend.
Thema: Veränderung und Wandel.
Individuelle Entsprechung: Die Angst vor der Notwendigkeit , als Endgültigkeit und Unfreiheit erlebt.

Aus dieser Vorstellung heraus lässt sich ein Diagnoseschema entwickeln. Da wir es im Mentoring mehr mit angewandter Kommunikation zu tun haben, als mit psychologischer Diagnostik sollen hier noch einige andere Vorstellungen der Welt gezeigt werden.

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