Kupplung

von Franz Stowasser am 15. September 2007

Auf meiner Suche nach einer Kupplung für den elektrischen Anschluss meines Computers gehe ich zu einem Supermarkt an irgeneiner Straßenkreuzung. Auf dem Parkplatz davor versucht eine Dame, deren Alter ich auf 75 schätze, ihren kleinen roten Opel einzuparken. Ihre Freundin im ähnlichen Alter ist mit der Einkaufstasche bereits ausgestiegen, will helfen, winkt, scheint aber hauptsächlich im Weg zu stehen, denn die Fahrerin gestikuliert wild für freie Bahn. Ich schmunzle und gehe in den Supermarkt um eine Elektroabteilung zu finden. Es riecht nach gebratenen Hühnern, für mich gar nicht italienisch. Es riecht auch in der Waschmittelabteilung nach gebratenen Hühnern. Nicht nach blütenweißer Frische und blitzsauberer Toilette. Das stört mich wirklich und ich merke, dass ich Abteilungen in Supermärkten nach deren spezifischen Gerüchen geordnet habe. Die Gestaltung des Supermarktes erinnert mich an den Supermarkt Heidi in Mar Menor in Spanien und ich lasse Erinnerungsbilder über die aktuelle Szene laufen um zu vergleichen, was ähnlich und was anders ist. Das ist ein amüsantes Spiel, plötzlich steht der kräftige Spanier in seinem weissen Kittel hinter dem Fleischtresen und nicht mehr das blasse dunkelhaarige Mädchen, das hier vielleicht eine Lehre als Verkäuferin macht. Auch das Licht ändert sich durch mein kleines Gedankenspiel, ein höherer Kunstlichtanteil läßt alles etwas kontrastärmer erscheinen.
Ich finde kein Elektromaterial und gehe nach draußen, wo die 75 jährige immer noch einparkt. Merklich nervös inzwischen, mit eingeschalteten Scheibenwischer und einem Herrn der ihr zuruft, in welche Richtung sie das Lenkrad drehen soll. Die Freundin läuft nervös auf und ab. In meinem Kopf verkehrt sich die Welt und ich könnte die Freundin denken hören: „ach jeh, sie hätten den Wagen der Tochter doch nicht einfach so nehmen sollen. Was, wenn jetzt etwas passiert?“ Doch es passiert nichts. Die alte Dame parkt souverain in eine Parklücke. Der Lotse schweigt und steht erstaunt, hatte er doch einen ganz anderen Parkplatz für sie ausgesucht.
Als ich wieder in die Nähe des Hotels komme treffe ich die Patronin, die auf ihrem Weg zum Zentrum nun doch schon zwei Querstrassen weitergekommen ist.

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