kommt Anspruch von Ansprache?

von Franz Stowasser am 22. Dezember 2010

“Klarmann, was willst Du?”
“Es ist schon eigenartig, dass ich keine weiteren Ansprüche habe, als eigentlich nur diese drei: Essen, wenn ich hungrig bin, trinken, wenn ich mich durstig fühle, schlafen, wenn ich ermüde – o.k. noch lesen, wenn ich wissensdurstig bin und zeichnen, wenn ich lustig bin – aber das ist doch auch nicht so viel mehr.
 Mein Leben sieht aber ganz anders aus, ist auf Business ausgerichtet, darauf, jeden Euro, den ich ausgeben will, selbst zu verdienen und es scheint mir manchmal, als könne ich die alten Geldquellen nicht über Bord werfen, als gäbe es keine anderen. Die Endlosigkeit in einem Saxophonton – den ich in letzter Zeit immer weniger blase – oder in einer lyrischen Zeile, diese Endlosigkeit erfahre ich nur noch selten. Es war im Sommer mehr, als ich in den Wald ging und dort spielte. Manchmal alles um mich herum vergessend. Jetzt im Winter ist mir der Tag wie eine Aufforderung zum ökonomischen Wirken – zu schaff ebbes!!!

“Klarmann, Du jammerst!”

“Ich sah einen Film über einen 28 jährigen deutschen Trompeter, Til Brönner, seine CD’s werden als Kitsch betitelt, aber ich sah ihn schon vor Jahren – damals noch unbekannt auf einem Jazzkonzert, er spielt phantastisch und zitiert Miles Davis in einer Phrase mit Charly Parker – technisch ein Genie und ich habe gedacht, es ist ein Wunder, dass einer so spielen kann und ich verstehe die Musikkritiker, wenn sie ihn neidisch als U-Musiker abkanzeln.

Mein Wunsch, zwischen den Tönen zu wohnen wird immer größer, inzwischen möchte ich es mir auch schon im Schatten einer Bleistiftzeichnung oder zwischen den Buchstaben bequem machen, dort verweilen, die Tage und Nächte fließen lassen, bis etwas Neues entsteht. Vielleicht will ich mich dort auch verstecken. Ich merke auch, dass ich trinke, um mich zu betäuben, weil ich mich nüchtern schreiben möchte und doch keine Zeit dazu habe, keine Zeit zum Schreiben. Zeit, die ich mir selbst nehme, so werden auch keine anderen Arbeiten fertig – es scheint sich gerade zum Trotz so zu verhalten.”

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