klar Mann

von Franz Stowasser am 25. September 2010

“Die Business Leute werden mir in ihrem Verdrängungsspiel immer suspekter,” brabbelte Klarmann in den Telefonhörer, “jetzt scheint mir alles so klar, so eindeutig in restriktiven Mustern abzulaufen, so über deutlich, dass ich mich wundere, es jemals nicht gesehen zu haben. Und vor allem weiß ich, dass ich da nie mehr mitmachen werde.
Im Gegensatz zu Dir habe ich es weniger mit den Ländern, als viel mehr mit den Tätigkeiten, die die Leute ausüben zu tun. Mir scheinen die Länder austauschbar, aber die Art und Weise, wie Leute ihr Leben organisieren scheint mir ein zentraler Punkt zu sein.”

“Ja, aber…” so der zaghafte Versuch, auch einmal einen Satz anzubringen, doch Klarmann läßt sich nicht beirren:

“Was mich eigentlich beschäftigt ist eine innere Hemmungsstruktur, die ich bei mir wahrnehme, so ein Zusammenziehen und inneres Halten. Oben die Fress- und unten die Scheißröhre oder der Empfindungsschlauch wie ich es nenne, scheint bei mir an der Innenwand rigide, An der Außenwand scheint er flexibel, aber innen bremst er, starr in seinem Angstmuster. Es ist wie halten, anhalten, innehalten, die Zeit anhalten, oder eine traumatische Situation anhalten. Sich in der Endlosigkeit des Haltens fast verlieren.

Ich habe nur kurz Zeit zum Kacken, nicht genüßlich und stundenlang bis mir die Beine einschlafen und mir der Lesestoff ausgeht oder die Meditationsmantras.

Ich hadere und will mein Leben ändern, weil ich dieses große Glück der Selbständigkeit nicht gefunden habe, auch nicht in den Prophezeihungen von Celestine, für mich war das nur pädagogisches Gequatsche und gequirlte Verkaufsscheiße. Ich fühle mich innerlich wütend, weil ich nicht den Mut habe nach meiner Facon zu leben oder vielmehr, weil ich gar nicht weiß, was als meine Facon gelten könnte – doch stopp, ich weiß es wohl, in den Tag hineinleben, lesen, malen, zeichnen, schreiben, das wär’ was, einfach nur gewesen sein statt werden. Schluss mit der Pädagogik.”

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel: