Aus mit’m Kaffeehaus

von Franz Stowasser am 25. Juni 2011

“Wozu brauche ich die Stadt?” fragt mich ein Freund und beantwortet seine Frage selbst. “Ich brauche die Stadt nicht. Ich brauche keine Leute, die in Caffees sitzen, schon gar keine, die blöd in einem Starbucks herumsitzen und dreistdumm grinsen, weil sie ihrem Kaffee einen Namen geben durften. Starbucks kennzeichnet den Niedergang der Kaffeehauskultur. Falls das jemals eine Kultur war und nicht nur eine Freizeit- und Aufwärmeerfindung mittelloser Möchtegerndichter. Kann jemand im Kaffeehaus schreiben? So tun als ob vielleicht, oder einen einfachen Verkaufsbericht der beschreibt, welche Tagesaktivitäten einer als Verkäufer gemacht hat. Aber schreiben? Anleihen an Gespräche am nächsten Tische vielleicht, aber Schreiben?” Oh doch:

“Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden von den führenden Literaten des Landes verschiedene Kaffeehäuser nicht nur als Orte des Austausches genutzt, sondern auch direkt zum Schreiben. Die berühmte Zeitschrift Die Fackel von Karl Kraus soll zu einem großen Teil in Wiener Kaffeehäusern entstanden sein. Weitere Kaffeehausliteraten sind unter anderem Arthur Schnitzler, Alfred Polgar, Friedrich Torberg und Egon Erwin Kisch. Eine ähnliche Szene wie in Wien ist auch in Budapest und Prag zu finden. Einen guten Eindruck in Anekdoten bietet das Buch Die Tante Jolesch von Friedrich Torberg. Zum Kaffee serviert der Kellner das obligatorische Glas mit frischem, kaltem Leitungswasser, das zum Kaffee oder danach getrunken wird. In manchen Kaffeehäusern bringt der Kellner bei längerem Aufenthalt auch unaufgefordert Wasser nach. Der ursprüngliche Sinn und Zweck des Wassers ist beinahe in Vergessenheit geraten: Früher, als der Genuss von Kaffee Adeligen vorbehalten war, wäre es unschicklich gewesen, den Löffel einfach abzulecken oder auf die Untertasse zurückzulegen. Daher wurde ein Glas Leitungswasser mitserviert, in dem der Löffel abgelegt werden konnte.” zitiert aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Kaffeehaus

Und, erinnern wir da<s Café Flore: ”

Das Café existiert seit 1865. Es verdankt seinen Namen einer Skulptur der Göttin Flora, die auf der anderen Straßenseite stand. In den 1920er Jahren wohnte Charles Maurras über dem Café de Flore, er verfasste dort sein 1931 erschienenes Buch Au signe de Flore.

Viele Intellektuelle wie Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, der hier 1964 eine Pressekonferenz zur Ausschlagung des Literatur-Nobelpreises abhielt, und Künstler wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Boris Vian, Guillaume Apollinaire oder Jean Cocteau waren regelmäßige Gäste. Karl Lagerfeld, der in der Nähe des Cafes wohnt (rue de Lille 7), ist häufig Gast im Café de Flore.” https://de.wikipedia.org/wiki/Caf%C3%A9_de_Flore

“Du machschd da beschde Kaffee von dr Welt…” oder ähnliche Lügen und Übertreibungen – liegen, wie Thomas Bernhard sagt, in allen Antworten.

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