Handel treiben

von Franz Stowasser am 1. August 2006

Wir treiben Handel, indem wir Waren austauschen. Wo früher noch häufig Ware gegen Ware getauscht wurde, wird heute meistens eine Ware oder eine Dienstleistung gegen Geld (Wa(h)re Liebe) getauscht. In Beratungsbeziehungen gibt der Berater dem Kunden die Lösung eines Problems (oder die Illusion einer Lösung) und erhält dafür ein Honorar. Der Kunde gibt Geld und erhält dafür eine Lösung. Im abgeschlossenen Handelsgeschäft ist dem Käufer die Ware sein Geld wert. Der Verkäufer realisiert einen Gewinn, so sind beide zufrieden. Sie haben Handel getrieben, über Art der Leistung sowie über die Höhe des Geldbetrages verhandelt und sind sich dabei einig geworden.
Die Sicherheit liegt darin, dass keiner von Beiden mehr oder weniger gibt als vereinbart. Die Beteiligten dieser Handlung haben Rollen eingenommen, sich also nicht selbst in den Handel eingebracht. Diese Rollen können Käufer, Verkäufer, Berater, Kunde, Klient, Therapeut, Patient, Mentor, Mitarbeiter etc. heißen.
In der Rolle als Berater tauscht eine Person den Prozess einer Problemlösung gegen Geld. Das setzt voraus, dass er sich sicher sein kann, dass das vom Partner geschilderte Problem während der Lösungsfindung nicht verändert wird. Sicherheit entsteht also aus der Unveränderlichkeit des Problems während der Lösungsfindung. Wie sonst sollte der Berater im vereinbarten Zeitraum zu einer Lösung kommen.
Diese Unveränderlichkeit oder Sicherheit wollen Kunden als auch Berater in Bezug auf den Wert der Vergütung. Der Preis sollte, einmal genannt, stabil bleiben. Das Trachten nach Stabilität und Sicherheit ist für Handelsbeziehungen grundsätzlich.
Gehen wir nun davon aus, dass auch die Partner Beziehung eine Handelsbeziehung sei. Zum einen, weil sie im gesellschaftlichen Geschäftsfeld stattfindet und sich beide Beteiligten durch Verträge zu bestimmten Leistungen verpflichtet haben (Ehe), zum anderen, weil etwas ausgetauscht wird –- Leistung gegen Geld, Sicherheit, Geborgenheit und/oder Zuwendung und umgekehrt.

Partnerschaftliche Kommunikation
© 2003 Verlag Think GmbH
Franz Stowasser, Gabriele Cahill-Brunner
ISBN 3-9809189-0-4

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel: