Grunz und Zisch

von Franz Stowasser am 6. April 2010

Eckhard Henscheids Ausflüge in die Welt der Trinker (Triologie des laufenden Schwachsinns) wirkt ja amüsant, stimmt jedoch auch depressiv. Denn wenn nur noch der Alkohol über die dauernde Mehrdeutigkeit der Aussagen hinwegtrösten kann, indem er die Fähigkeit zur genaueren Analyse minimiert – und darauf weist Henscheid immer wieder hin, bleibt nicht viel Trost.
Was nun wäre zum Beispiel an dem Satz: „ich liebe dich“ – mehrdrutig? Vieles, denn keines der drei Worte ist hinreichend bestimmt. Weder kann als bekannt das „ich“, noch „liebe“ und schon gar nicht „dich“ vorausgesetzt werden. Bei näherer Betrachtung wird der Satz gar peinlich und es bleibt die Vermutung,, dass er nur gesagt wurde, um ein Geräusch zu veranstalten. Ein Geräusch von Grunz- und Zischlauten (etwas Heinz von Förster) das uns beruhigte.

Wir kommunizieren um uns gegenseitig zu beruhigen.

Meine neue These. Die grundlegende Strategie des Miteinander ist die gegenseitige Beruhigung. Ich grunze und zische vor mich hin, also bin ich da und Du bist nicht allen, da Du auch da bist bin auch ich nicht allein. So bezischeln, begrunzen und begrummeln wir uns gegenseitig.
Selbstverständlich können wir das Grunzen und Zischen auch literarisch aufpäppeln und gar wissenschaftlich ausschmücken. Dann wird es vielleicht zu einer Wirtschaftstheorie und damit umso peinlicher, da es als wissenschaftliche Theorie einen Anspruch auf Erklärungsmacht stellt. Schon die ersten untersuchten Sätze einer solchen Wirtschaftstheorie zeigen allerdings, dass auch sie widersprüchlich und von daher mit der gängigen und akzeptierten, ja wissenschaftlichen Logik unvereinbar sind – mit der selben Logik unvereinbar, die sie doch zur wissenschaftlichen These machte.

Grunzen und Zischen Sie noch oder reden Sie schon?

Schaf sprechend

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