fern sehen

von Franz Stowasser am 15. Oktober 2010

Fernsehen – wenn ich, der ich doch ziemlich flott mit dem 10 Fingersystem tippen kann, so lange für ein paar Seiten brauche, wie machen es denn dann die Fernsehkommissare, die gar nicht tippen können und mehrere Seiten Berichte abzugeben haben – schon am nächsten Morgen? Die Berichte meines Kopfes wachsen mit jeder Sekunde, mit jeder Nacht und jedem Traum sowieso. Heute Nacht war ich Aufseher auf einer Großbaustelle. Was ich dort zu tun hatte weiß ich nicht mehr, doch die Maschinen und die Tätigkeit der Menschen waren laut und intensiv, so dass mir meine Aufgabe bedeutend vorkam.

Ich sagte, dass ich auch gerne zeichne. Im Zeichnen ist es, als erschaffe ich etwas neu. Das geht mir besonders bei Gesichtern so, es ist als erschaffe ich ein Gesicht, das leben will. Und mit dem Leben wollen will es immer mehr Konturen und Dreidimensionalität, es strebt ins Leben und ich kann oft gar nicht so schnell zeichnen, wie es will. Es genügt auch der Bleistift oder die Kohle, es kann ruhig schwarz – weiß sein, das Bild lebt aus der Tiefe, das es mit jedem Strich gewinnt. Dieses Erschaffen könnte in der Religion zur Vorlage Gottes gedient haben. Als die Menschen begannen, sich darzustellen haben sie vielleicht ziemlich schnell die Perspektive entdeckt. Ich bin auch fasziniert von meinem Knick in der Optik. Die kleine Meerstraße, die hier vom Haus zur kleinen Stadt führt, in der der Supermarkt auf mich mit dem frischen Brot wartet ist ohne jede Steigung und ohne Gefälle, sie verläuft genau auf Meereshöhe. Wenn ich nun am Morgen mit dem Fahrrad zum Supermarkt fahre, dann ist es, als fahre ich bergab. Komme ich dann aus dem Supermarkt und trete in die Pedale um zum Haus zu kommen, dann ist es wieder, als fahre ich bergab. Mein Astigmatismus zeigt mir eine gerade Straße als abfallend. Was heißt das für mein Weltbild oder besser meine Weltberechnung, wenn gerade Straßen in meiner Wahrnehmung abwärts führen?

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