Ende der Psychologie

von Franz Stowasser am 20. Januar 2011

Abschied von der Persönlichkeit

Das griechische Wort „Charakter“ bedeutet auch Prägestempel und in diesem Sinn wurde das Wort in den letzten Jahrzehnten psychologisch benutzt. Ein Prägestempel prägt und gewinnt seinen Wert gerade durch seine Unveränderte Prägung. Das Postulat des immer Gleichen bildete in den letzten jahren jedoch einen immer stärker wirkenden Gegensatz zu den vielfältigen Veränderungsprogrammen, auch „Change“ genannt. Damit entstand ein Problem für die persönlichkeitsorientierte Psychologie. Wie kann Veränderung überhaupt gedacht werden, wenn der Charakter und die Persönlichkeit, die Identität und das Selbst zu den unveränderlichen Bestandteilen menschlicher Existenz gehören sollen. Die Fragen nach dem „Wer bin ich“ wurden immer obsoleter, befremdlicher gar und nur noch mit Gemeinplätzen beantwortet.

Doch dürfen wir uns überhaupt die stabilen Säulen, die Unveränderbarkeiten wegdenken? Manövrieren wir uns mit solchen Gedanken nicht aus der menschlichen Gemeinschaft? Verlassen wir damit die Grundprinzipien des Humanismus? Ich denke ja. und, ein Posthumanismus, so sehr er auch durch die heutigen Philosophen angestrebt wird, hält seine Versprechen auch nicht. Zu deutlich können mit den neuen Datenmedien die Defizite humanzentristischen Denkens aufgezeigt werden. Und nicht nur diese Defizite stören bei der Rekonstruktion einen humanistischen Weltbildes, auch die bereits erwähnte Statik des psychologischen Gebäudes wirkt hinderlich. Ich könnte es mir einfach machen und die Psychologie für gestrig und tot erklären. Ich habe auch große Lust, das zu tun, doch es würde nur Verteidigung eines überalterten Prinzips aktivieren und in Rechthaberei enden. Also begründe ich hiermit einfach eine neue Aera des Denkens, eine, die die alten chiastischen Denkweisen mit den neuen Ansätzen von Rudolf Kaehr zu verknüpfen sucht, vor allem deshalb, weil ich Rudolf Kaehrs www.tinkartlab.com Denken besser verstehen möchte. Annäherungen an Veränderung, jede Annäherung eine Weltenreise, nicht immer leicht, jedoch möglichst ohne Gepäck und das, wo ich mir gerade das Rucksacktragen angewöhnt hatte.

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