Der Herr modifiziert seinen Lebensstil

von Franz Stowasser am 5. November 2012

Lange bevor er einen Lebensstil hatte, hegte der Herr Illusionen. Diese waren oft so widersprüchlich, dass sie sich eigene Welten schufen und sich danach aus der Welt des Herrn zurückzogen. Der Herr vermisste sie nicht, denn er hatte ja jederzeit neue Illusionen zur Verfügung. Jetzt im Alter aber kamen sie zurück. Die, den Illusionen eigenen Welten waren für sich, ohne die Kraft des Herrn, nicht stark genug gewesen um die Illusionen zu halten. Nun kamen sie zurück und gaben sich als Wirklichkeiten. Der Herr begrüßte sie, als habe er sie zum ersten Mal gesehen. So lebt der Herr heute wirklich sein Leben aus den Illusionen seiner zukünftigen Geschichte und modifiziert seinen Lebensstil täglich.

In seinen Aufzeichnungen könnte er nachschlagen, welche Illusionen, als Wirklichkeiten getarnt, noch auf ihn zukommen werden. Er tut das nicht, weil er einigen Illusionen die Chance geben möchte, sich zu überleben. So überlebt auch der Herr viele, in jungen Jahren gegebene, Versprechen, wie zum Beispiel den Versprecher: „nach 40 bist Du eine Mumie.“ Andere Versprechen werden den Herrn als Illusionen überleben, wie zum Beispiel der Versprecher: „wenn ich groß bin, mach’ ich was ich will.“

Da der Herr nun zu den älteren Herren gehört wird sein Lebensstil auch aus den Lebensstilen die er einst lebte gebildet. Der jetzige Lebensstil taugt meist als Widerspruch zu den früheren Lebensstilen die als: „Du hattest doch immer gesagt…….“ erinnert werden. Abgesehen davon, dass der Herr nichts „immer gesagt“ hatte, waren die ihm auf diese Weise angedichteten Lebensstile ohnehin eher die der Andichter, oder deren Gegensätze. Auf Grund dieser doch etwas komplizierten Sachlage beschloss der Herr, sich selbst einen Lebensstil zu malen. Sein Lebensstil auf einem großformatigen Bild, dessen Verkleinerung er als Visitenkarte jederzeit vorzeigen konnte.

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