Der Herr betrachtet

von Franz Stowasser am 6. März 2012

die Straße vor seinem Haus.

Eine Hauptstraße der Kategorie Landstraße mündet in eine etwas kleinere Dorfstraße ein. So entsteht eine T Kreuzung. Die Dorfstraße kommt vom Berg und führt auf den Berg. Von dort liefern Bauern Holz und Vieh, Heu und Futtermittel ins Dorf oder weiter in die Höfe, in die Stadt. Die Dorfstraße verbindet den 200 m höher gelegenen Wald mit dem alten Dorfrathaus. Die Landstraße verbindet zwei Ortschaften und darüber hinaus noch andere Ortschaften hier im Land. Die kleine Kreuzung nimmt sich, was sie braucht, Gummiabrieb von den Fahrzeugreifen, Öl und Reste von Diesel, nasse, welke Blätter im Herbst und Schnee im Winter. Sie gibt dafür Sand, von dem ein Teil in den aufgeschlagenen Knien der Kinder bleibt, die beim Rollschuhlauf stürzen. Abrieb, den der Regen in die Kanalisation spült. Der Belag fügt sich meist fest an den Untergrund, reißt jedoch im Winter durch das Salz und frostiges Wetter zu Löchern auf und verflüssigt sich im Sommer zäh. Die Winterlöcher werden regelmäßig mit neuem Straßenmaterial versorgt. Das Material wird sauber an die Straße angeglichen, damit es der Schneepflug nicht wieder aufreißt. Manchmal wird das Reparaturmaterial auch nach künstlerischen Gesichtspunkten aufgebracht. Dort noch etwas vom dunklen, dort noch etwas heller Sand. Die Kreuzung wirkt als Kunstwerk. Je nach Licht als surrealistisches, abstraktes oder figürliches Gemälde, manchmal als Relief oder Skulptur. Im Winter wird der Straßenverlauf manchmal unsichtbar, Gelb-schwarze Stangen dienen dann als sichtbare Begrenzung und die Fahrer der Schneepflüge können sich daran orientieren. Nach mehreren Jahrzehnten werden die Straßen total erneuert und dabei jedes Mal breiter. Mehr Autos finden Platz und noch größerer Holztransporter können darauf fahren. Busse und Sattelschlepper, die sich verirrt haben können besser wenden. Die beiden Straßen ersetzten kleine, unbefestigte Wege, Vorgärten und Bauerngärten, sie nahmen Anliegern Land und gaben der Stadt Land und Rechte. Die beiden Straßen tragen Menschen zu ihren Arbeitsstellen, Schüler und Kinder in die Schulen und Kindergärten. Beide Straßen tragen nichts, werden nur benutzt und repariert. An der Kreuzung unterhalten sich oft Menschen. Eltern erziehen ihre Kinder öffentlich zur Achtsamkeit, indem sie die Kinder missachten, Männer erzählen von ihren Erfolgen und Frauen von den Mühen des Tages und den Sonderangeboten in den auf der Landstraße erreichbaren Orten. Als die Kreuzung schön war, ein Kunstwerk in unterschiedlichen Grautönen, wurde sie erneuert. Dann strahlte sie bis zum Winter in Einheitsanthrazit, wartete auf die Künstler Frost, Traktorreifen, LKW, Busse, Schneepflug, Holztransport und das Ausbesserungsteam des städtischen Bauhofes.

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