computing 3

von Franz Stowasser am 13. Februar 2007

Eine etwas andere Einschätzung des Verhältnisses zwischen Mensch und Welt wäre auch die These, dass jeder Glaubenssatz und jede kommunikative und jede linguistische Konstruktion eigentlich ein Programmteil innerhalb des großen Computers darstellt.
Wir können innere Bilder sehen, innere Diskussionen nachvollziehen, ungewohnte Haltungen einnehmen, Ironie und Witz produzieren, zwischen den Zeilen lesen. Das sind hoch entwickelte Fähigkeiten, die jedem einzelnen Computer, unserer Zeit überfordern. Wir sollten diese Fähigkeiten ebenso wertschätzen wie die Fähigkeit Daten zu sammeln und zu analysieren und vielleicht wieder entdecken, wie wir sie nutzen können.

Noch einmal der Punkt: Sie erzählen einen wildfremden Menschen eine persönliche Erfahrung aus Ihrer Kindheit, ein Gefühl, einen Gedanken und dieser Mensch sagt, das kenne er. Aus seinem völlig anderem Hintergrund, seiner völlig anderen Geschichte und Sozialisation, seinem anderen Blickwinkel und Erfahrungsbereich heraus behauptet dieser Mensch: „Das kenne ich auch.“ Je länger Sie darüber nachdenken, desto unwahrscheinlicher wird es, dass dieser fremde andere Mensch kennen kann, was Sie erlebt haben und doch behauptet er es und Sie haben ein gutes Gefühl, wenn er das behauptet, Sie fühlen sich verstanden. Wir finden hier ein sehr wichtiges soziales Phänomen. Ein Mittel zur Verständigung über Sprachschwierigkeiten, Landesgrenzen und Generationsschranken hinweg. Dieses Mittel zur Verständigung bedient sich einer konstruierten Ähnlichkeit um Sicherheit zu schaffen. „Ah, Du bist mir ähnlich“, grundverschieden zwar und doch so ähnlich, deshalb verstehen wir uns.

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