Da hast Du Dich Dir selbst beschrieben.

von Franz Stowasser am 25. November 2012

Nach einer kleinen Rundfahrt ein beschaulicher Sonntagnachmittag, eine freie Stunde, den Kamin anfeuern. Das Holz, die Glut wie Landschaften, hier fängt ein kleines Stück an zu brennen, ich kann die Flammen unterstützen, dann teilt sich die Glut einem anderen Holzstück mit, Flammen züngeln nach oben, ein Holz wird ans andere gelegt, im Zentrum entsteht immer mehr Hitze. Das Anfeuern des Kamins fand ich spannender als einen Fernsehfilm und reicher an Metaphern. Da hatte ich mich mir selbst beschrieben vor dem Kaminfeuer und herausgefunden, dass der Herr mindestens zu viert war: Ich, Mich, Mir, Selbst.

4 vom Herrn, das darf nicht sein, spricht sofort gegen jede Individualität. Mit welchem von den 4en hätten wir es denn zu tun, machten wir mit dem Herrn zum Beispiel einen Vertrag, oder, noch schlimmer, ließen ihn in unserem Auto mitfahren. Ein 4facher Herr, das sind 3 Herren zu viel und der Herr kann sich jetzt überlegen, welchen Aspekt seines HerrSeins er lassen will. Das Ich, das Mich, das Mir oder/und das Selbst.

Ich empfehle, zunächst das Selbst aufzugeben. Da fehlt dann nicht viel. Es weiß ohnehin niemand so richtig, was das Selbst sein sollte und „verständlich“, wie in der Zusammensetzung „selbstverständlich“ suggeriert, kann das Selbst gar nicht sein, denn verstünde es sich selbst, dann wäre es ja schon zumindest zu zweit: Ein Selbst nämlich, das ein anderes verständlich findet. Also, weg mit dem Selbst. Mit Mir und Mich wird’s dann schon etwas schwieriger. Lassen wir die fallen, dann kann das Ich nur noch ichen und verwickelt sich in fatale Widersprüche. Zum Beispiel: „Ich lasse mir eine Flasche Schnaps bringen um mich zu betrinken.“ Ohne Mir und Mich wäre ja nicht nur das Trinken langweilig, das Ich wäre auch viel schneller betrunken und könnte nachher nicht mehr sagen: „Ich war nicht ich selbst.“ Weil ja das Selbst schon fehlt und Mich, als auch Mir nicht mehr als Ausweichstationen zur Verfügung stellen. Die Welt kommt sehr viel näher, wenn wir auf Selbst, Mir und Mich verzichten und das Ich gäbe es dann ja auch nicht mehr. Aber davon ein anderes Mal.

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