Auf Wunsch – Näheres zum NLP

von Franz Stowasser am 6. September 2009

In den letzten Jahren ist häufig von Seminaren und Schulungen die Rede, in denen Coaching, Selbstaktualisierung und Zielfindung trainiert werden. NLP ist eine Methode die immer häufiger in Weiterbildungskursen verwendet wird. Die Buchstaben NLP stehen für:

N wie NEURO
· bezieht sich auf unser Neurologie, unser Nervensystem, das Daten über unsere fünf Sinne verarbeitet: VISUELL, AUDITIV, KINÄSTHETISCH, OLFAKTORISCH, GUSTATORISCH – also durch sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken.

L wie LINGUISTIC
· meint die Sprache und die anderen, nicht sprachlichen Kommunikations-muster, in denen wir unsere Vorstellungen und Gedanken verpacken, ordnen und mit Bedeutung versehen, um innere Bilder, Klänge oder Wortschleifen, Gefühle und Emotionen in der Kommunikation mitzuteilen.

P wie PROGRAMMING
· bezeichnet die Fähigkeit, Programme, die wir in unserer Kommunikation benützen, erkennen und anwenden zu können. So lernen wir, unser neurologisches System selbst sinnvoll zu gebrauchen, und erreichen die gewünschten Ziele.

Wer nutzt und braucht Kenntnisse im Neuro-Linguistischen Programmieren?

Kommunikatoren, die in Ihren Fachgebieten excellente Leistungen erbringen wollen. Personalmanager, Coaches, Trainer, Sonderpädagogen, Ärzte, Lehrer, Psychologen, Berater, Sozialpädagogen, Erzieher. Wer die traditionellen Kommunikationswerkzeuge wie Gesprächs- und Gestalttherapie oder Transaktionsanalyse kennt, wird im NLP eine praxisorientierte Erweiterung finden.

NLP entstand in den siebziger Jahren, als sich zwei Amerikaner eine einfache, aber faszinierende Frage stellten: „Was ist der Unterschied zwischen Menschen, die bestimmte Fähigkeiten vollkommen entfalten, und Menschen, denen das nicht oder nur teilweise „gegeben“ zu sein scheint?“

Um herauszufinden, was die Essenz hervorragender Kommunikation ausmacht, wurden sie Schüler berühmter Kommunikatoren wie MILTON ERICKSON, VIRGINIA SATIR, FRITZ PEARLS oder GREGORY BATESON. Neugierig fanden sie heraus, welche Elemente der menschlichen Denkweise diese Kommunikationskünstler beflügeln. Aus dem Interesse, subjektives Fühlen, Erleben und Handeln anderer Menschen zu verstehen, zu strukturieren und lernbar zu machen, entstand diese Methode.

Welchen Strukturen folgt Ihre persönliche Erfahrung?
Welche Denkmuster werden offensichtlich, wie können diese Muster erkannt und verbessert werden?
Wie organisieren Sie Ihre Orientierungs-, Denk-, Motivations-, Lern- und Entscheidungsprozesse?

Im NLP wurden Modelle gebildet, um z.B. erfolgreiches Lernverhalten als Muster oder Strategie zu erkennen, zu beschreiben und weiterzuvermitteln.
Auf welche Art bauen Sie sich Ihr Weltbild, Ihre Wertvorstellungen, Ihr Selbstbild auf? Durch welche Prozesse schränken Sie sich dabei selbst ein, durch welche bilden Sie Ressourcen und Kraftquellen?

Obwohl NLP ursprünglich unter therapeutischen Aspekten entwickelt wurde, zeigte sich bald, dass diese Art des systemischen Denkens in Lern- und Ausbildungsbereichen und im Business sinnvoll ist.

Der Weg vom Ziel zur Problemlösung
Jede Arbeit im NLP, sei es z.B. Ressourcen übertragen, ankern, Strategiearbeit, Submodalitätenänderung, Metamodell-Fragen, Dissoziations- und Assoziations-methoden beginnt mit einem wohlgeformten
ZIEL

Zielfragen:
Wohin wollen Sie, was möchten Sie erreichen?

Hier ist eine deutliche Vorstellung des Zieles erforderlich, die Zielbestimmung sollte folgende Merkmale aufweisen:

a) sinnlich konkret, d.h. visuell, auditiv und gefühlsmäßig wahrnehmbar.
b) selbst erreichbar – unabhängig von anderen.
c) positiv formuliert; der Zielsatz darf keine Verneinungen enthalten.
d) in einem bestimmten Kontext – es muss klar sein, mit wem, wann und wo das Ziel gilt.
e) ökologisch, d.h. für Ihre persönliche Identität harmonisch.

Dabei soll klar gemacht werden, dass es sich bei “Problem” und “Ziel” nur um Worte, um Nominalisierungen handelt. Diese Worte erlangen sinnliche Wirklichkeit, wenn sie mit obigen Schritten dem Nervensystem bekannt gemacht werden. Mit “Problemen” tun das die meisten Menschen unaufgefordert. Die gleiche Methode bei Zielen anzuwenden führt zu guten Ergebnissen.
Erst wenn Sie Ihr Ziel so bestimmt haben wenden Sie sich dem Problem zu. Jetzt ermitteln Sie genau, was für Sie als problematisch empfinden.

Wo ist der Problemauslöser?
Wie wird das Problem erlebt?

PROBLEM <<——————— ZIEL

Plus Ressourcen

Etwas ungewöhnlich an dieser Vorgehensweise ist es also, dass Sie sich erst um Ihr Ziel kümmern und dann erst um das Problem. Bei näherem Betrachten zeigt sich dieses Vorgehen als sinnvoll. Es kann ja ohne Ziel gar kein Problem geben. Ein Problem beschreibt immer die Abweichung eines IST Zustandes von einem ZIEL Zustand. Hätten Sie keine Ziele, wären auch keine Probleme erkennbar.

Die unterschiedlichen NLP – Vorgehensweisen helfen Ihnen schließlich, einen stimmigen Verbindungsweg vom Ziel zum Problem zu finden. An diesem Weg befinden sich Ihre Kraftquellen, Ihre eigenen Fähigkeiten, Ihr Wissen und Ihre Einsichten. Diese Quellen werden gezielt aktiviert. Ziel im NLP ist es, eigene Ressourcen zu erkennen und zu addieren.

PROBLEM + Zufügen von Ressourcen = ZIEL

Um eine gute und wirkungsvolle Zielbestimmung mit jemanden oder mit sich selbst zu machen, genügt es nicht, das Problem nur bewusst zu machen, anzuerkennen oder zu würdigen. Das mag hilfreich sein, aber eine Veränderung oder Lösung tritt erst dann ein, wenn die eigenen Ressourcen mit dem Problem und dem Zielzustand verbunden werden.

Das N im NLP steht für diesen grundlegenden neurologischen Prozess.

Das Metamodell der Sprache
Mit Hilfe der Sprache konstruieren wir große Teile unserer inneren Vorstellungen über die Welt. Wir erzeugen uns sprachlich die Bedeutungen, die wir dann als Glaubenssätze für unser Leben als bestimmend einsetzen. Wir können nicht wissen, welche sprachlichen Konstruktionen sich die Menschen innerlich machen, mit denen wir sprechen. Weil wir nie sicher sein können, was eine Aussage bedeutet lohnt es sich, nachzufragen. Nachfragen ist allemal besser als davon auszugehen, man hätte schon richtig verstanden um dann festzustellen, dass es doch nicht so war.

GENERALISIERUNGEN, TILGUNGEN und VERZERRUNGEN sind Gestaltungsmittel für Fragen, sie können uns Handlungsmöglichkeiten erleichtern.

Beispiel einer Generalisierung: „Der Markt ist härter geworden!“
Befragen um zu klären: „Um welchen Markt handelt es sich, was genau bedeutet härter, seit wann beobachten Sie diese Entwicklung, wen betrifft das?

Beispiel einer Verzerrung: „Ihre Fragerei macht mich neugierig!“
Befragen um zu klären: „Neugierig auf was, wen, wann werden Sie besonders neugierig, was an meiner Fragerei macht das?

Beispiel einer Tilgung: „Ich bin begeistert.“
Befragen um zu klären: „worüber, wie macht sich das bemerkbar, wie lange, seit wann sind Sie begeistert und was bedeutet begeistert für Sie?“

Wer sprachlich sehr viel generalisiert, tilgt oder verzerrt, beraubt sich seiner Handlungsaktivität und schafft sich Zwänge.

Im NLP – Metamodell der Sprache werden diese drei Bausteine der Sprach-konstruktion nochmals unterteilt. Mit Fragen nach dem Metamodell können Sie Ziel und Problem sehr schnell bestimmen, spezifische Ressourcen entdecken und nutzbar machen.

Das Metamodell taugt sehr gut als Diagnosemittel und zur Verbesserung der eigenen kommunikativen Fähigkeiten.

Das L im NLP steht für dieses linguistische Modell.

Veränderungen durch NLP
Es gibt Hunderte von NLP-„Programmen“, die helfen, den bereits geschilderten Weg vom Ziel über die Ressource zur Problemlösung zu finden und ein gewünschtes Ziel zu erreichen.

Der Anwendungsbereich reicht von Ängsten vor einer bestimmten Aufgabe oder gegenüber einer Autoritätsperson bis hin zu generativen Lernstrategien, die Kreativität und Entscheidungsfähigkeit stärken.

Für den Geschäfts- und Vertriebsbereich ist vor allem der Umgang mit Zielen, Ängsten, Motivation, Kommunikations- und Entscheidungsstrategien interessant, für den Personalbereich die Techniken zum Coaching und Selbstcoaching. Als Überblick sollen einige Grundtechniken des NLP kurz dargestellt werden:

Ankern meint die Verbindung eines stark erlebten inneren Zustandes, eines Gefühls, einer mächtigen Phantasie oder einer positiven Lernerfahrung aus der Vergangenheit, mit einem Auslöse-Reiz. Dieser Reiz kann eine Berührung, ein Klang, ein Wort oder eine Geste sein. Wichtig ist die Entdeckung, dass der Reiz (Anker) selbst gesetzt und wieder abgerufen werden kann.

Assoziation: Ein Gefühl, eine Stimmung, eine angespannte Sitzung, eine Verhandlung, eine Präsentation kann assoziiert wahrgenommen werden. Wenn Sie assoziieren, dann sind Sie ganz mit dem jeweiligen Erlebnis verbunden. Sie befinden sich im Erleben und können momentan keine Distanz aufbauen. Das kann förderlich oder hemmend sein, je nach Situation.

Dissoziation findet statt, wenn Sie sich selbst wahrnehmen können, wie Sie sich in einer Situation verhalten. Möglich, dass Sie sich selbst sehen, (z.B. wie Sie eine Verhandlung führen, wie Sie auf den Kunden reagieren) oder dass Sie sich selbst hören (wie Ihre Stimme klingt). Dissoziation bringt immer Distanz zu überwältigenden Gefühlen und ermöglicht Ihnen, auch aus negativen Situa-tionen zu lernen.

Submodalitäten sind Eigenschaften der Modalitäten, der Sinnessysteme:
SEHEN: hell-dunkel, groß-klein, farbig oder schwarzweiß,…
HÖREN: laut-leise, hoch-tief, bass-diskant,…
FÜHLEN: stark-schwach, rauh-weich, schwer-leicht,…
Submodalitäten ändern sich unter der Wirkung der Sprache und sie ändern die Sprache. Wann immer Sie in Generalisierungen, Tilgungen oder Verzerrungen sprechen, üben Sie direkten Einfluss auf Ihr Erleben und auf die inneren Prozesse Ihrer Kommunikationspartner aus. Mit Veränderung von

Submodalitäten können auch Erlebnisse verstärkt oder abgeschwächt werden.
Beispiel: Stellen Sie sich Ihre nächsten Ferien vor. Machen Sie jetzt dieses innere Bild etwas farbiger, ziehen Sie es näher zu sich heran, machen Sie es größer und heller, bereichern Sie es jetzt durch Geräusche, Klänge, Gerüche, die Sie gerne haben und nehmen Sie wahr, was passiert ist. Hat Ihre Ferienvorstellung an Attraktivität gewonnen?

Strategien beschreiben die Abfolge, in der Sie Ihre Sinne gebrauchen. Wie wechseln Ihre inneren Bilder mit Geräuschen, Worten oder Sätzen ab?

Beispiel: Eine Motivationsstrategie könnte wie folgt aussehen:

1) Sie sehen sich selbst in einem klaren, großen und lebendigen Bild, das eine Situation zeigt, in der Sie eine Aufgabe zu Ihrer vollen Zufriedenheit zu Ende gebracht haben.

2) Hören Sie, was in dieser Situation gesprochen wird oder welche Geräusche dort vorherrschen.

3) Gehen Sie sicher, dass Sie ganz zufrieden sind.

4) Ersetzen Sie das Ausgangsbild nun durch einen Prozess, für den Sie motiviert sein möchten.

5) Achten Sie genau darauf, was sich verändert: Sie werden eine Flut von Informationen über Ihre Motivationsstruktur erhalten.

Wenn Sie Ihre persönliche Lern-, Motivations- oder Entscheidungsstrategie kennen, dann können Sie diese mit NLP – Techniken verbessern und auf andere Bereiche anwenden.

Für dieses Herausfinden und Umgestalten von Programmen des persönlichen Erlebens steht das P im N L P.

Seminartermine: www.think.seminars.com

NLP Practitioner:

Teil A:  04.  Sept.  –  13. Sept.  2009
Teil B:  22.  Nov.   –  29. Nov.   2009

NLP Master Teil 2:

10. Okt. – 17. Okt. 2010


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