Auf ein Wort

von Franz Stowasser am 24. Februar 2008

Abendessen und jemand berichtet von indianischen Ritualen. Er möchte die Spiritualität anerkannt haben. Ich sage, das könne ich nicht, es sei nur ein Wort und entdecke im Sprechen dass dieses Wort zum spirituellen Verhalten führt und diese Worte zu einer Liste, die jemand abhakt, damit er/sie weiß, ob es sich um spirituelles Verhalten handelt oder nicht. Die Forderung nach Anerkennung eines Hauptwortes gleicht der Forderung nach Macht, nach Anerkennung einer bestimmenden, wertgebenden, zertifizierenden Instanz, die gültige Definitionen heraus gibt.

Vom Wort Spiritualität her kommend frage ich mich durch. Wer spiritualisiert hier und was tut er oder sie denn da genau? Sie nutzt den Geist. Wessen Geist und wie geistert und begeistert der? Und so weiter, dazu brauche ich weder Unbewusstes noch Überbewusstes. Die Worte zerfallen an sich selbst, zeigen ohne Kontext schnell Risse und werden wortbrüchig. Zerbröseln in tausend Bedeutungen und schreien nach einem organisierenden Kopf. Der ist oft nicht weit, denn, wenn er auch sonst nicht viel kann und weiß, so meint er doch ein Rezept gegen die Angst bereit zu halten, die in Bezug auf Mehrdeutigkeiten oft auftritt – wie im Theater.

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