Angreifer

von Franz Stowasser am 30. November 2010

Ich will denken, nicht um zu begründen oder zu erklären, sondern um sehen, hören, erkennen zu können, was sichtbar und hörbar wäre, von mir aber übersehen, überhört wurde. In jeder Äußerung eine sich selbst widersprechende Botschaft. Der Einzelne denkt, alle anderen seien einer Meinung in ihrem Verhalten gegen ihn, doch alle anderen agieren ebenfalls nur als Einzelne, sind mit sich selbst und mit den anderen um sie herum in Vielem uneins oft sogar verfeindet.

In der Furcht des Angriffs scheinen alle Kräfte des Angreifers auf den Angegriffenen gebündelt, doch sie sind es meist nicht – oder nur für sehr kurze Zeit. Es kommt deshalb auch nicht darauf an, schnell zu sein und einen Widerspruch zu finden, der Angegriffene kann sich gerade Zeit lassen und aus den vielen Widersprüchen die herausnehmen, die ihm jetzt gerade am meisten interessieren. So wird jede Lebensstunde zur anthropologischen Lehrveranstaltung und wir handeln als unsere eigenen Lehrer. Kurz, die Furcht des Angriffs bindet uns in der Illusion, alle anderen, die Angreifer nämlich seien Eins, nur wir selbst mit uns selbst uneins. Beenden wir diese Illusion und wir beenden damit den Angriff.

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