Alberto

von Franz Stowasser am 12. September 2007

Eine kleine Fahrt in den Süden. Hier in Baveno scheint die Sonne und sich sitze im Hotelzimmer, zeichne, schreibe und fühle mich glücklich. Der wundervoll blaue See, die Inseln und sogar der Autoverkehr direkt unter dem Fenster wirken beruhigend. Ich finde es interessant, von hier oben auf die vorbeifahrenden LKWs zu schauen. So weiß ich, was sie geladen haben, kann mir ausmalen, wohin sie fahren. Ich sehe auch die Passagiere der Boote, die von den Inseln nach Baveno fahren und höre die Menschen auf der Promenade sprechen.. Und ich bin froh, dass ich hier bin und das genießen kann. Die Jungen eilen auf Motorrädern, Rollern oder Mopeds, die etwas älteren in den Alfas und Lancias. Die in den Strassen gehen sind Arbeiter oder alte Leute. Auch die Dame, die unvermittelt das Fenster mit dem halb herunter gelassenen Laden öffnet, als ich fasziniert vor Ihrer Villa stehe, die rosaroten Lasuren der Fassade bewundernd. Sie sieht mich, wendet sich in Richtung des angrenzenden Balkons und ruft: „Bon Giorno, Alberto“ in Richtung eines älteren Herrn, der gemessenen Schrittes den Weg herauf kommt. „Bon Giorno Senora, come sta?“ erwidert dieser und in der Stimme liegt mehr von unten nach oben als es aus seiner optischen Position zu erklären ist. Die Signora ist groß gewachsen, ich schätze 1.80 m. Sie trägt einen dunklen Rock und eine graue Bluse mit dunkler Strickjacke. Ich denke mir, dass Alberto vielleicht früher einmal Angestellter der Signora war, die jetzt alleine diese große Villa bewohnt. Gewohnheitsmäßig läuft er seit er nicht mehr bei ihr arbeitet jeden Morgen den Weg durch den kleinen Park an ihrer Villa vorbei und fast wie zufällig öffnet die Signora immer zu dieser Zeit ihr Fenster. Alle Fenster des Hauses sind über die Hälfte durch die Rollläden bedeckt, do dass ich mich fragte, ob die Villa bewohnt sei oder nicht. Nun merke ich, dass ich mich beim Vorbei gehen auch fragen kann, ob mich aus einem der Fenster jemand beobachtet oder nicht. Alberto jedenfalls wurde beobachtet, rechtzeitig gesehen und begrüßt.

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