Sein und Haben

von Franz Stowasser am 15. September 2012

Der Himmel leicht bewölkt, die Morgensonne scheint durch die Wolken. Die Luft riecht frisch und erinnert mich an Campingerlebnisse in der Jugend. Der Unterschied zwischen Vorstellung und Sein; sein ist was Sache oder der Fall ist – oder was ich heute denke, dass Sache wäre im Gegensatz zu früher. Was der Fall ist verweist schon auf umfassendere Prinzipien als das der Wahrnehmung, es verweist auf die Gravitation. Ich wache auf und denke an den großen Unterschied, der entsteht, wenn ich konkurrenzlos denke oder nur so tue, als dächte ich konkurrenzlos. Ob der Körpervergleich am Nacktstrand kein Thema für mich ist oder ob ich so tue, als sei er kein Thema für mich.
Gleichzeitig merke ich, dass mein rechter Arm eingeschlafen ist und sich meine Beine anfühlen, als stecke in ihnen der Muskelkater. Nun könnte ich organisch suchen, kann es aber auch lassen und danach forschen, welche Widersprüche ich im Denken noch mit Energie verdecke oder verarbeite. Es erfordert Kraft, so zu tun als ob und dieser Krafteinsatz lohnt sich eigentlich nur in Bezug auf Ziele, die es mir Wert sind zu erreichen. Die Lernbiologie geht (dort, wo sie unreflektiert machtorientierte Glaubenssätze nachbetet) davon aus, dass das Ziel, einen Vorteil zu erreichen, der eigentliche Antrieb zur Handlung überhaupt sei. Ja, gilt das denn auch für erlernte Hilflosigkeit?

 

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