Allein auf Familienreise

von Franz Stowasser am 18. März 2011

Es gibt Reisende, die sich freuen, einer davon bin ich. Die Landschaft gewinnt durch das wenige Weiß so viel an Trennschärfe und Tiefe. Wie mit Kohle gezeichnet, einfach mit kühnem und doch detailliertem Strich hingezogen, die Bäume, Sträucher, Straßen und Häuser.  Gerade fällt mir auf, dass mein zwanghaftes Denken daran, was sich wohl in den Häusern und Wohnungen, die ich vom Zug aus sehe, abspielen könnte, etwas nachgelassen hat. Nun, kurz bevor ich darüber schrieb war es das erste Mal in der Reise, dass ich daran dachte – und wir sind doch schon in Karlsruhe.

Es sind Mütter unterwegs, mit Kinderwagen und die Abteile bieten keine guten Abstellmöglichkeiten für diese Wagen. Das erzeugt sehr schnell Hyperaktivität. Vielleicht eine Reaktion auf Erfahrungen. Eine Sache der Planung denke ich, eine Designänderung nach den Bedürfnissen wäre sinnvoll. Das Plätzefinden an den Stationen erzeugt oft Spannungen. Doch wer ein wenig Geduld zeigt, ein bisschen wartet, kommt zurecht. Beim Einsteigen bringen manche noch das alte Fett vom Bahnhofskiosk in den Kleidern mit und es dauert eine Zeit, bis das Abteil wieder frisch riecht. Mit jedem Stopp ändert sich die Welt der Reisenden. Die einsteigen wissen nicht, wie es vorher war und die aussteigen gehen mit einer Erinnerung, in der das Neue fehlt.

Handelt es sich bei Zugreisen und damit meine ich jene auf den Hauptstrecken, wie zum Beispiel Basel – Frankfurt, Frankfurt – Berlin etc., auch um Geistreisen? Oder amüsieren sich die Reisenden, wenn auch manchmal im Verborgenen, weil sie eine Urlaubsfahrt angetreten haben? Wir wissen es nicht Was wir glauben ist, dass 80% dieser Fahrten überflüssig sind und dass die Menschen, die hier im Zug sitzen ihre Aufgaben, die sie am Zielort zu erfüllen haben, auch von zu Hause aus erfüllen könnten. Doch, so einfach geht das nicht. Noch immer sind soziale Kontrolle und Anwesenheitspflicht höher bewertet als erfolgreiches Handeln. Hier ein Beispiel für die Zukunft!

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