Ich entfolge mich.

von Franz Stowasser am 19. September 2017

Der Herr wollte sich auf facebook entfolgen. Er wollte nur noch richtige und verläßliche Freunde und Freundinnen haben, keine, die wie er selbst, in den Träumen Gegenteile ihrer täglichen Behauptungen produzierten.

Der Herr konnte seinen Behauptungen keinen Glauben schenken, nicht einmal das. Glauben war doch so leicht zu verschenken, wurde auch mehr dadurch. Wer sich selbst nicht glauben kann findet einen Trost im richtigen Glauben. Der richtige Glaube ist ewig, während das Selbst endet. Nun gut, das Selbst vielleicht nicht, aber des Herren Selbst, eines davon zumindest.

Unfug des täglichen Sprechens und vor allem Unfug der Selbstgespräche, Mehrdeutigkeiten einzelner Worte. Die Sprachen bleiben mehrdeutig, egal wie viele Gewalt- und Herrschaftsdefinitionen zur Eindeutigkeit getätigt werden. Autoritäten würden andere gerne auf eine und nur auf eine Wortbedeutung verpflichten – selbst jedoch frei und homonym bleiben. Sie lieben das “so ist es” einer und nur einer ewigen Welt.

Regeln sollen Eindeutigkeiten schaffen. Doch wird viel Energie dafür verwendet, Regelverstöße zu bestrafen und nach einiger Zeit neue Regeln aufzustellen. Regelmäßig Regeln machen, mehrere Stillbeschäftigungen. Was könnten wir wissen, wenn wir nicht einmal wissen, was ein Wort für unser Gegenüber bedeutet? Wenig bis gar nichts wissen wir, streiten uns deshalb.

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