Schwarzer Spiegel

von Franz Stowasser am 6. Oktober 2018

Lasse ich das TV-Gerät ausgeschaltet, so bleibt ein schwarzer Spiegel. Ich schaue in dieses schwarze Spiegelviereck, sehe mich, meinen Kopf, den Hals, die Schultern. Hinter mir sehe ich vor mir im schwarzen Spiegel zwei unserer gemalten Bilder und sie gefallen mir auch in diesen Reflexionen. Ich sehe meine Ohren, erkenne etwas von der Nase, Augen und Mund sehe ich nicht. Dafür blieb der Spiegel blind, er konnte meine Augen nicht zeigen.

Ich hatte ein Blatt aus diesem Ringbuch genommen um Kerngehäuse des Apfels zu entsorgen. Früher hätte ich dafür niemals ein unbeschriebenes Blatt benutzt. Heute ist’s mir gleich, auch weil ich mich krank fühle. Ein veränderter Körperzustand verändert auch meine Verhältnisse zu den Dingen die mir zur Verfügung und entgegen stehen.

Die Morgensonne beleuchtet meine rechte Gesichtshälfte, die im schwarzen Spiegel als linke Gesichtshälfte erscheint. Die Haut meines kränkelnden Halses brennt in der Sonne, ebenso die Kopfhaut unter den kurzen Haaren am Hinterkopf.

Ich möchte keine Schrift stellen, möchte lieber Ungeahntes und damit Alltägliches darlegen, eher liegen als stehen. Dann hatte ich Sitzen gewählt, morgens, mit einem Apfel im roten Sessel sitzen. Die dunklen Spuren des Apfelspinners hatte ich heraus geschnitten und auf das unbeschriebene Blatt gelegt. Jetzt zeichnete sich auf dieses Blatt ein Teil der Geschichte des Apfelspinners. Längst war die Raupe zum Falter geworden und ich mit den dunklen Stellen des Kerngehäuses und dem schwarzen Verbindungsgang zur Apfelschale nach außen hin allein. Er war ausgeflogen, gut genährt durch Apfelkerne, eine vorzügliche Diät.

Ich sitze und die Sonne scheint mit jeder Minute heißer durch die Fenster. „Wo wohnen“, hatte ich mir gedacht. Und wenn ich weiterhin einen Gebäudeteil dieses großen Hauses bewohnen würde, welcher wäre das? Die Kneipe war mir sehr wertvoll erschienen, überhaupt die unteren Räume bis hin zur Bibliothek. Dann hatte ich wieder an den weißen Veranstaltungsraum gedacht, dann hatte ich bleiben wollen, wo ich war. Müde war ich nicht, eher nur wenig für Umzüge motiviert. Vielleicht sollte ich mich rasieren, dann mit Duft besprühen, aus ca. 30cm ans Sternum und mir dabei sagen, dass der Tag gut wird, genau so, wie ich es in der TV-Werbung gesehen hatte.

Halb von der Sonne beleuchtet, mein Gesicht und immer noch kein Auge sichtbar. Ich mag mein Gesicht. Es hat Falten und Wülste, wird von den Ohren beflügelt und vom weißen Haar bekränzt. Meinen Kopf halte ich manchmal schräg, so, als würde ich auf leise Geräusche lauschen. Meine Hände sind nicht groß, aber kräftig, ich fühle mich kräftig, wenn ich mich im schwarzen Spiegel sehe.

 

 

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Bangkok

von Franz Stowasser am 10. Mai 2018

is alive. We boat on the rivers. The urban motor boats drive very fast. There are always two people crew, one person in the wheelhouse, the other gives signals with a whistle for docking maneuvers. Our last ride on a express boat was even faster. The driver had probably planned to ruin the thing completely in one day. Always full throttle, the 140 hp diesel exhausted, big clouds of smoke full jug to the pier, then backwards, the rudder extremely in the opposite direction smashing the boat against the old tires. These were catching the first force. The little time that the boat needed to recover from docking was enough for the newcomers to enter the ship.
The communication between driver and docking mate did not work acoustically with whistles on this ship. That because of the extreme volume of the diesel. The skipper had large rearview mirrors attached and watched her helper so closely that he only needed to make a small gesture to signal forward or backward. When the engine cover flew off in a particularly daring maneuver, the passengers helped with the repair and the wild ride could continue.

“WHAT PHO” the name of this Buddhist monastery sounds funny to my ears, as does PeePee Island, the island to the south. In the What Pho monastery there is a Thai massage school, palmistry and astrology. Also loudspeakers trough which two male voices where heard. I thought of a comedy event. The two sounded like two comedians giving their latest jokes. Than I looked at two monks talking to each other at a distance of about 2.5 meters, laughing, talking and laughing. No one laughs in the audiance, all devout listening people. I found it peculiar that the two monks make fun and the faithful remain in stance, taking every breath seriously. After a couple of minutes I felt calm and serious too.

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Ich entfolge mich.

19.09.2017

Der Herr wollte sich auf facebook entfolgen. Er wollte nur noch richtige und verläßliche Freunde und Freundinnen haben, keine, die wie er selbst, in den Träumen Gegenteile ihrer täglichen Behauptungen produzierten. Der Herr konnte seinen Behauptungen keinen Glauben schenken, nicht einmal das. Glauben war doch so leicht zu verschenken, wurde auch mehr dadurch. Wer sich […]

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Gemeinsam lesen.

05.07.2017

Wir lesen Andreas Okopenko und Ödön von Horvath. Mit der Zeit werden die Reflexionen zu Wiederholungen und scheinen schon bekannt. Ich bemerke jedoch nur selten das Phänomen meiner eigenen Texte, dieses Neue in der Wiederholung. Bei den fremden Texten bleiben Aspekte des Nochmaligen haften. Etwas klebrig fast. Also lese ich selektiv, blättere durch die Seiten […]

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