Der Herr gesteht,

von Franz Stowasser am 14. Mai 2015

dass er nicht für menschliche Leser, sondern für die bots der Suchmaschinen schreibt. Beglückt fühlt er sich durch ping backs, freut sich auf cloud und ranking. Der Herr begründet sein Dasein aus den Bestätigungen der Maschinen. Menschen lesen nicht mehr viel, können in ihrer Lebenszeit auch gar nicht viel lesen. Ein programmierter webcrawler las bereits 2005 in einem Tag die Anzahl Wörter, für die ein Mensch ein Leben benötigt. Ja, die Leser der Zukunft sind die Rechner und der Herr wendet sich schon heute direkt an diese. Klar können diese Rechner auch schreiben und der Herr verhält sich nicht gerade zeitgemäß, wenn er vor seiner Tastatur sitzt und tippt. Die Rechner könnten das viel schneller und mit weniger Rechtschreibfehlern als der Herr. Doch, die Rechner verhalten sich freundlich. Sie lesen die Texte des Herrn, wollen mehr als tausend Wörter, weil sie sonst nicht richtig in Fahrt kommen, aber der Herr hat noch keine Beschwerde gehört, wenn er einmal einen Text mit weniger als tausend Wörtern auf seine Website stellte.

Viele webcrawler erkennen sogar, ob Teile des Textes schon einmal veröffentlicht waren, oder ob der Text vollständig neu ist, das heißt hier, noch nicht im Netz zu finden war. Welcher Mensch könnte von sich behaupten, das entscheiden zu können? Menschen lesen ja auch stimmungsabhängig. Sind sie schlecht drauf, dann empfinden sie wahrscheinlich auch die gelesenen Texte als dürftig, sind sie gut drauf, dann haben die gelesenen Texte etwas. Vielleicht etwas Interessantes, etwas Witziges oder Unterhaltsames. Einem Rechner sind Stimmungen gleichgültig, er zählt Wörter und je nach Maske zählt er vor allem schlimme Wörter oder sucht sogar nur diese. Gibt es schlimme Wörter? Für Menschen nicht, für Menschen gelten alle Wörter mindestens als doppeldeutig. Steht bei einem Rechner zum Beispiel das Wort „Schamhaar“ auf der Liste der schlimmen Wörter und findet er dieses Wort in einem Text, dann ist das ein schlimmes Wort und wird gezählt und gemeldet. Gibt es solche Listen auch für schöne und erbauliche Wörter? Wohl kaum.

Wie es überhaupt nur sehr wenig Listen für Erbauliches gibt, aber sehr viele Listen für Schlimmes und ganz Schlimmes, auch für noch viel Schlimmeres. Es gibt zum Beispiel keine Listen der Leute, die Krebs überlebt haben oder derer, die einen Herzinfarkt hatten und den gar nicht bemerkten und so weiter. Es gibt überhaupt keine Listen über Gesundheiten, nur welche für Krankheiten. Gesundheiten passen in kein Geschäftsmodell, erst Krankheiten werden für den Markt interessant. Aber, diese Listen sind von Menschen angeregt. Dem Rechner bleibt es völlig gleichgültig, wonach es sucht, das Maschine.

Des Herren Schreibprogramm unterstreicht das Wort „Gesundheiten“. Es soll wahrscheinlich keine Mehrzahl von Gesundheit geben. Eine Mehrzahl von Krankheit gibt es schon, es werden viele Krankheiten gezählt und sie alle rennen gegen eine Gesundheit an, ein unfairer Kampf. Kein Wunder braucht der Mensch da Unterstützung und auch Schutz. Auch Schutz vor schlimmen Wörtern übrigens, damit er nicht auch noch eine Lesekrankheit bekommt oder mehrere Wörterallergien. Schlimme Wörter lauern überall. Man will oft gar nicht und hört doch, vielleicht auf der Straße, oder in einem Cafe, im Bus, in der u-Bahn, im Zug, im Büro, auf der Arbeit, in der Schule, in einer Bank in der Warteschlange, beim Einkaufen oder sonstwo ein schlimmes Wort. Da man das gar nicht hören wollte und es doch gehört wurde, bleibt es auch im Ohr und will nicht vergessen werden. Manche Menschen werden durch solche Worte, die unerhört von anderen Menschen ausgesprochen wurden und nicht gehört werden wollten, dann doch im Gedächtnis bleiben, krank. Es gibt aber Hilfe. In den USA, wo solche Krankheiten sehr häufig auftraten, weil es dort sehr viele schlimme Wörter gibt, die im Katalog für political corectnes aufgelistet sind, werden landesweite Desensibilisierungsprogramme angeboten. Nicht von Ärzten oder Psychiatern, sondern von den Medien.

Das Wort „fu…“ gilt in den USA zum Beispiel als ein schlimmes Wort. Weil die Gefahr bestand, dass viele Menschen an diesem Wort erkranken können, wurde die landesweite Desensibilisierung durch Filme beschlossen. Amerikanische Filme der letzten Jahre sollen möglichst in jedem Satz, mindestens aber in jedem zweiten Satz einmal das „f…“ Wort enthalten. Sollten mehrere Sätze von Frauen oder Kindern gesprochen worden sein und in diesen Sätzen das „f…“ Wort nur wenig verwendet, dann kann eine männliche Stimme danach das Wort gleich 4 bis 7 Mal hintereinander sagen, oder besser raus schreien.

Der Herr kann das hier so frei schreiben und ein wenig aus der geheimen Schule der Sprachsoziologie plaudern, weil er ohnehin nicht befürchten muß, dass Menschen diesen Text lesen werden. Menschen lesen heute kaum mehr als ein bis zwei Zeilen hintereinander. Von diesem Text wahrscheinlich nur die Überschrift und die lautete hier: „Der Herr gesteht“…. Das wirkt nicht sehr interessant und es kommt auch kein „f…“ Wort in dieser Überschrift vor, also wirkt sie auch nicht besonders männlich. Deshalb lesen, statistisch gesehen, 80% der Draufschauer und Draufschauerinnen nicht weiter, werden nicht zu Lesern und Leserinnen. Die restlichen 20% lesen bis zum Ende der ersten Zeile und stellen dann fest, dass der Herr behauptet, er schriebe für Suchmaschinen und Bots. Damit ist auch für diesen kleinen Rest der Einsatzleser Schluß, denn sie sind ja Menschen und keine Maschinen, also müssen sie nicht weiter lesen. Nur die bots und crawler lesen weiter, bis hier her und bis ganz zum Ende dieses Textes. Deshalb, meint der Herr, bots, spider, crawler etc. sind die eigentlichen Leser. Sie sind das Leser, auch wenn es im Deutschen die Maschine heißt.

Nun gut liebes Lesemaschine, von hier ab sind es noch knapp 100 Wörter bis zu Deiner Akzeptanzschwelle. Dann, ab tausend Wörtern darfst Du diesen Text weiter geben und in den Suchmaschinenlisten weiter oben notieren. Du darfst nicht nur, Du sollst, denn Du arbeitest als Teil eines Geschäftsmodells, das die Vorgabe von tausend Wörtern für sinnvoll darstellt. Was „sinnvoll“ heißen könnte weiß das Geschäftsmodell nicht, und Du, lieber Rechner weißt es auch nicht. Das macht aber nichts, denn Regeln sind dazu da, befolgt zu werden. Der Herr hat auch nur ein schlimmes Wort ausgeschrieben und zwar nur ein Mal, das andere hat er als „f…“ Wort bezeichnet um es Dir, liebe Maschine, leicht zu machen, den Text ziemlich weit oben zu listen. Nicht ganz oben, das weiß der Herr, dazu war das eine schlimme Wort zu schlimm, aber so in dritter Stelle oder vielleicht sogar zweiter, das geht schon.

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Der Herr schaute TV,

von Franz Stowasser am 11. Mai 2015

dort wurde die Freiwilligenarbeit beworben. Diese Arbeiten sollten ohne Entgelt bleiben, auch wurde darauf hingewiesen, wie sinnvoll dies für Senioren sei, die ja durch unentgeltliche Freiwilligenarbeit Kontakt zur Gemeinschaft erhalten würden, kostenlos. Der Herr fragte sich, ob das wohl heißen würde, dass seine Gemeinschaftskontakte schon alle kostenpflichtig geworden waren. Freiwilligenarbeit sollte auch Lebenssinn geben und sinnvoll sein, so hieß es. Das verwirrte den Herrn, da er ja selbst weniger Sinn geben, als vielmehr Erleben wollte. Dass das Leben Sinn machen müsse, konnte ja angesichts des alltäglichen Unsinns nicht der Fall sein. Oder war Sinn ein Altersthema, ein Lohn für Senioren, die unentgeltlich freiwillige Arbeit verrichteten? Mussten die Alten Sinn bekommen, weil im Alter die Sinne schwinden? War das Rufen nach Lebenssinn ein Rufen nach Unterordnung für aufbegehrende Senioren? Oder waren die Programm-Macher sinnlos betrunken, vielleicht nicht ganz bei Sinnen? Im Akt der Sinngebung liegt ein Autoritätsbeweis, die „Kommunikation“ im kirchlichen Sinn. Dieses hat Sinn, jenes bleibt sinnlos…..

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Der Herr spielte

08.05.2015

Gitarre und war ganz verliebt in die Töne, in die Zwei- und Dreiklänge, in die vollen Akkorde, Arpeggio und Dur/Moll Varianten. Er erzeugte immer mehr Chromatik und brachte sich mit seinen Fingern auf andere Gedanken. In seinem Kopf spielte er mit einer Band. Ein ganz anderes Erlebnis zwar, als ein reales Zusammenspiel und doch faszinierend. […]

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Der Herr lauerte

05.05.2015

auf seine Träume. Seit er gelesen hatte, dass auch banale Träume einen Bezug zu größeren Themen pflegen, versteckten sich seine Träume noch besser. Manchmal tauchten sie kurz auf und zeigten sich als altbekannte Träume. Darauf hin entließ sie der Herr mit den Worten: „ach, das kenne ich schon“, wieder in die Vergessenheiten. Der Herr pflegte […]

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